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  Beschreibung:  Fly Kasachstan!

Die Bilder dieser Galerie entstanden auf einer recht spontanen Reise nach Kasachstan Ende August 2006.

Thorsten Balkow, ein Pilot aus Berchtesgaden, den ich nur von einem einzigen Telefonat kannte, schrieb mir an einem verregneten Dienstag im August eine E-Mail aus Almaty in Kasachstan, dass am nächsten Wochenende die "Zentralasiatische Meisterschaft" losginge und ob er mir nicht im "Camp" ein Bett reservieren solle. Blitzschnell evaluierte ich meine im wahrsten Sinne des Wortes davonschwimmenden Felle einer lokalen Flyketour am Wochenende. Almaty hatte einfach die bessere Wettervorhersage!

Die gastfreundliche Einstellung der Kasachen wurde mir schon bei der Blitzausstellung eines Visums an einem Ruhetag der kasachischen Botschaft in Frankfurt zuteil. Freitag mittag saß ich im Flieger. Da Thorsten seine Mails wohl nicht mehr las, googelte ich "Paragliding Kasakhstan" und wählte die einzige dort auftauchende Telefonnummer. Der englisch radebrechende Mann am anderen Ende fragte nach meiner Flugnummer. Als ich nachts in Almaty aus dem Flieger stieg, stand "Gerdes", ein lithauischer Pilot mit einem Schild "Till" am Ausgang. Welcome to Kasakhstan! Ich könne bei ihm schlafen. Sehr nett! Ich rief Thorsten auf seinem kasachischen Telefon an, das ausnahmsweise funktionierte. Auch dort war ich zum übernachten eingeladen. Thorsten wiederrum wohnte bereits seit 2 Wochen bei seinem neuen lokalen Fliegerkumpel Andrei. Gerdes fuhr mich schlussendlich zu Andrei, wo wir alle um 1:30h nachts erstmal zu abend assen. Spät? No rules!

Als wir alle gegen mittag aufwachten gab es erstmal ein Stück Fleisch, das "Babushka" (also die Mutter von Andrei, 43) vorbeigebracht hatte. Und dann ab in die Karre und auf den Berg!

Ush-Konyr, das erstaunlicherweise quasi einzige und damit beste Fluggebiet Kasachstans liegt etwa 40 km westlich Almatys. Man ist in gut einer Stunde am Startplatz. Es gibt weit und breit keinen Baum - alles Gras! Man startet auf 2000m NN etwa 900m oberhalb der Weiten der kasachischen Steppe vom ersten großen Anstieg der Altau-Gebirgskette, die bis 7000m hinaufreicht. Die wilden und völlig unerschlossenen Berge liegen südlich. Nur 50km Luftlinie entfernt liegt der Lake Issy-Kul in Kirgistan. Niemand ist je dorthin geflogen, der erste der es versuchte wird bis heute vermisst - also fliegen wir doch lieber die vorgelagerte Ridge lang! Gesagt getan, Thermik super, nicht zu schwach und nicht zu stark, kaum Wind, ab auf 2600m und wohlfühlen. Auch weit draussen im Flachland, wo das ominöse "Wettkampf-Camp" liegt, geht es noch bestens. Dort fliege ich auch noch ein Stündchen umher und lande schließlich neben einem armen Esel auf einer trostlosen Wiese neben noch trostloserer Industrie im vielsagenden Ort "Fabricny". Nur einen kurzen Marsch entfernt lerne ich unser "Camp" kennen: Ich habe schon viel gesehen. Die Grenzen, dessen, was man als "vermietbar" einstufen kann, wurden mit dieser vom Einsturz bedrohten Ruine von den Kasachen aber auf jeden Fall neu definiert! Später erfuhr ich, dass das Camp auch bei den lokalen Piloten wegen des geilen verfallenen Kommunismus-Styles schon Kultstatus erlangt hat. Hier hat definitv seit 1960 keiner mehr einen Besen in die Hand genommen, geschweige denn, dass jemand mal nach dem Wasserhahn geschaut hätte, der einfach fehlt und deshalb schon den einen oder anderen Kubik-Kilometer Wasser durch unser Waschbecken gejagt haben dürfte. Thorsten und ich suchen uns eines der etwa 100 Zimmer auf 5 Stockwerken aus, räumen den Sperrmüll beiseite und machen es uns bequem. Thorsten knackt lieber auf dem Balkon, ich lege ein Laken unter und breite Isomatte und Schlafsack aus. Das kollektive Essen im Plattenbau nebenan, das den an der "Central Asia Paragliding Competition" teilnehmenden Piloten endlich gegen 20h serviert wird, ist zwar einfach, geschmacklich allerdings vom Feinsten! Später wird draussen noch viel warmes Bier getrunken!

Am nächsten Tag zeigt das Wetter mal so richtig, wo hier der Hammer hängt! In wunderbarer Thermik, die keine Wünsche offen lässt, geht es senkrecht nach oben auf über 3000m. Die grüne Ridge liegt uns zu Füssen, das Gebirge mit seiner geschätzten Basishöhe von 5000m etwa 15km hinter uns. Ab Richtung Hauptstadt. Dort angekommen: Fliegen ist doch so schön, da fliegt man halt wieder zurück :-) Man lässt sich auch nicht von Passagierjets die Laune verderben, die unter einem in der Ebene den International Airport ansteuern. Meine spätere Frage nach der Existenz von Lufträumen wird mit Verwunderung beantwortet. Man kann nicht sagen, dass die Kasachen keine Bürokraten wären, aber Lufträume scheinen sie wohl wirklich nicht zu haben...

Um das wilde Gebirge im Süden wenigstens ansatzweise kennen zu lernen, fahre ich abends mit Gabriel, einem kuweitisch-schwäbischen US-Amerikaner mit einer ebenfalls fliegenden russischen Ehefrau (der Sowjetologie studierte und jetzt bei einer Entwicklungsbank in Almaty arbeitet) zurück in die Stadt. Netterweise laden mich die beiden ein, bei ihnen die nächsten Nächte zu verbringen. Ich geniesse nach einer Nacht in der Camp-Ruine gepflegte Verhältnisse in einem besseren Viertel der Stadt ;-) Vielen Dank nochmal an dieser Stelle für die schöne Zeit dort! Am nächsten Tag wandere ich südlich zu einem weniger spektakulären Gletscher, der in ca. 3300m Höhe beginnt und laufe später noch etwas durch die Stadt.

Mein letzter Tag bringt nochmals einen schönen Flug in sehr schwachen Bedingungen, da sich ausnahmsweise mal ein paar Schichtwolken am Himmel zeigen. Regen wird daraus sicherlich nicht fallen, es ist schliesslich Sommer!

Abends ziehe ich vor dem nächtlichen Heimflug mit Thorsten und Andrei noch durch ein paar Freiluft-Kneipen in der Innenstadt. Die militante Gastfreundschaft des Kasachen verhindert es, dass wir die Möglichkeit bekommen, auch mal eine Runde zahlen zu dürfen. Da bleibt uns also nix anderes übrig, als die Jungs einzuladen, wenn sie dann mal bei uns zum fliegen kommen!

Fazit: Kasachstan ist auf jeden Fall eine Reise wert! Sowohl die herzliche Gastfreundschaft als auch die sehr ergiebigen Flugbedingungen und die sehr besondere Landschaft haben mir viel Freude bereitet!

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